Unsere Projekte
Ein besonderes Augenmerk liegt für uns in der Konzeption und Ausführung von eigenen, neuen und interdisziplinären Konzertformaten und Projekten. Dazu gehören unter anderem La Nuit, Conversazioni delle Regina und CONCERTARE!
La Nuit
Eine neuzeitliche Adaption des 1653 in Paris uraufgeführten "Ballet de la nuit"
La Nuit zelebriert die Nacht in all ihren Facetten und entzündet sich am historischen Vorbild des „Ballet de la Nuit“, einem 1653 in Paris aufgeführten Ballettspektakel. Während im „Ballet de la Nuit“ von 1653 die finstere Nacht primär Gefahr, Chaos und Kontrollverlust symbolisierte und mit dem Licht (und dem Auftreten Louis XIV. als Personifikation der Sonne) besiegt werden musste, deutet das Programm La Nuit die dunkle, mystische und irrationale Dimension der Nacht als beflügelnden, befreienden Sehnsuchtsort in einer durch Effizienz und Funktionalität geprägten Gesellschaft. Musik, Tanz, Texte und Lichtkunst verschmelzen zu einem gesamtsinnlichen Eintauchen in die ekstatischen und poetischen, die friedlichen und dämonischen Momente der Nacht.
© Raphël Languillat
Conversazioni della Regina
© Johannes Berger
BaroqueLAB Frankfurt trifft extravagante Rebellin!
Instrumentalmusik um 1700 und literarische Einblicke in das Leben der Königin Kristina von Schweden
Rebellin, Universalgelehrte, Kunstmäzenin Königin Kristina von Schweden ist die personifizierte Selbstbestimmung. Ihre denkwürdigen Memoiren spiegeln eine unkonventionelle Persönlichkeit, ein bewegtes Leben und eine autonome Perspektive auf das Leben und Mensch-Sein im 17. Jahrhundert. Besonders Fragen und Konflikte um Geschlechterrollen und Identität trieben die Monarchin um; als Kind wurde sie von ihrem Vater zur Thronerbin auserkoren und in Folge dessen „männlich“ erzogen.
Conversazioni della Regina begibt sich auf die Spuren einer faszinierenden Frau, die uns auch heute in bemerkenswert aktueller und unmittelbarer Weise anspricht.
Das Programm verbindet Musik von Pasquini, Corelli, Scarlatti, etc. aus Kristinas Umfeld - sie gründete in Rom ein eigenes Theater mit dazugehörigem Orchester – mit Ausschnitten aus ihren Memoiren, Briefen und anderen zeitgenössischen Textquelle.
© Yat-Ho Tsang
CONCERTARE!
© Johannes Berger
BaroqueLAB Frankfurt wagt den musikalischen Diskurs!
Musikalische Gespräche in Form barocker Gruppen-Konzerte lassen das Ensemble in allen möglichen Kombinationen und Facetten gemeinsam wetteifern, streiten, schmeicheln und erzählen. Dabei entsteht ein sprühend, spritziger barocker Konzertabend mit Werken von Vivaldi, Bach, Telemann und anderen.
Musik ist Kommunikation. Kaum eine Kompositionsgattung bringt das eindeutiger auf den Punkt als Gruppenkonzerte. Solisten, Kleingruppen und Großgruppen treten miteinander in Diskurs, wetteifern, plaudern oder monologisieren. Das Gruppenkonzert verklanglicht eine Gesellschaft in Balance zwischen Individualität und Gemeinschaftssinn und verweist damit auch auf die Dynamik eines freien Ensembles wie BaroqueLAB.
Historische Textpassagen über Probenarbeit und Ensemblestrukturen im 18. Jahrhundert begründen die begleitende Moderation von Concertare!.
Sturm und Drang
Sturm und Drang – was ist das eigentlich?
Eine Epoche? Eine literarische Gattung? Ein Lebensgefühl?
Und was bedeutet das für die Musik?
Es gehört wohl zum Wesen des Sturm und Drang, undefinierbar zu sein – unreglementiert, wild und frei.
© Johannes Berger
Sturm und Drang steht für die Auflehnung einer jungen Generation gegen Ordnung, Konformismus und Autorität. Anstelle der Vernunft herrscht vor allem das Eigene, Individuelle, ein entfesseltes Fühlen und die Hinwendung zur Natur.
Goethe, Schiller und Herder finden dafür Worte, Carl Philipp Emanuel Bach und der junge Mendelssohn einen Klang.
Unangepasst soll der Künstler sein. Eigensinnig und einzigartig. Regeln? Ehrfurcht vor der Tradition? Alles Schnee von vorgestern. Jetzt regiert die Emotion.
Für uns mag das Bekenntnis zum individuellen Gefühl, zum genuin Menschlichen, selbstverständlich sein – gerade in der Kunst. Carl Philipp Emanuel Bachs Generation wagte damit jedoch den Quantensprung von Verstellungskunst zu wahrhaftigem Ausdruck.
In seinem 1763 veröffentlichten Versuch über die wahre Art das Klavier zu spielen bringt Bach es mit diesen Worten auf den Punkt:
„Aus der Seele muss man spielen, nicht wie ein abgerichteter Vogel.“
Diesem Geist nähert sich BaroqueLAB in einer fulminanten Programmzusammenstellung mit Werken von C.P.E. Bach, W.A. Mozart, Felix Mendelssohn und anderen Stürmern und Drängern.